Als Beamter kündigen? 5 Gründe, warum das (k)eine gute Idee ist
Zunächst möchten wir festhalten, dass man als Beamter zwar keine Kündigungsfrist hat. Man kann aber auch nicht einfach so kündigen, wie das bei einem herkömmlichen Angestelltenverhältnis der Fall wäre: Beamte stellen den Antrag auf Entlassung aus dem Dienstverhältnis, wenn sie kündigen möchten.
Die Entlassung kann jederzeit verlangt werden (§ 33 Abs.2 BBG).
Eine solche Entscheidung hat weitreichende Folgen, die weit über die einer normalen Kündigung hinausgehen. Denn am Beamtenstatus hängen deutlich mehr Aspekte: harte Fakten wie Krankenversicherung, Beihilfeanspruch, Pension, Altersgeld, Nachversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, aber auch emotionale Aspekte wie Zugehörigkeit, Selbstbild & Identifikation sowie die Unsicherheit, wie es danach weitergeht.
Wir kennen dieses Spannungsfeld nur zu gut! Wir waren selbst je über 8 Jahre verbeamtet, haben beide unsere Entlassung aus dem Dienst vor einigen Jahren beantragt und selbst heute – nach der Gründung eines eigenen Unternehmens – fragen wir uns noch an manchen Tagen, ob es die richtige Entscheidung war. Um ehrlich zu sein: Das kommt vielleicht an 10 von 365 Tagen im Jahr vor.
➡️ Nachfolgend findest du die jeweils 5 wichtigsten Punkte, wann & warum die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis eine gute & wann eine eher schlechte Idee ist.
5 Aspekte, wann die Kündigung als Beamter eine gute Idee ist
Du passt nicht (mehr) ins System. (Und das ist okay!)
Jeder von uns hat seine eigene Geschichte, die uns dazu führte, einen Beruf im Beamtenverhältnis zu ergreifen. Das kann ein Sinn für Gerechtigkeit sein, der Wunsch nach Sicherheit, oder weil man es so vorgelebt bekommen hat (Beamtenfamilie).
➡️ Wenn du dich mittlerweile, nach einigen Jahren Dienstzeit im Beamtenstatus, fremd fühlst oder keine Identifikation mit deinem Berufsbild oder deinen Kolleginnen und Kollegen mehr spürst, ist das erfahrungsgemäß ein klares Signal, dass sich bei dir etwas im Inneren verändert hat. Zum Beispiel, dass sich dein Wertekanon im Laufe der Jahre geändert hat.
Dies ist kein Versagen oder „Verrat“ an deinem früheren Ich. Werte verändern sich im Laufe des Lebens, nicht zuletzt durch die Erfahrungen, die wir machen. Das Beamtentum ist nicht für jeden ein Lebensmodell – und das muss es auch nicht sein. Dies zu akzeptieren kann dir bereits ein enorm besseres Gefühl bereiten. Denn zu begreifen, dass das Leben Veränderungen mit sich bringt und diesen auch mal nachzugeben, wenn es sich nicht mehr gut anfühlt, ist einer der wichtigsten Schritte hin zu einem erfüllten Leben im Wandel.
💡 Ein umfassender Werte-Check und persönliche Reflexion sind an dieser Stelle angebracht, um herauszufinden, worauf diese Unzufriedenheit wirklich beruht. Dies ist ein wesentlicher Teil des Ratgebers & Leitfadens für Beamte, die über eine Entlassung nachdenken.
Du willst frei entscheiden, wie du lebst und arbeitest
Um ganz offen zu sein: Genau das war bei uns selbst am Ende der ausschlaggebende Punkt, warum wir 2022 unsere beider Entlassung beantragten.
➡️ Vielleicht kennst du das auch: Nach der Einstellung wird man an das andere Ende des (Bundes-)Landes versetzt und arbeitet dort auch erst mal für ein paar Jahre. Mehrere Versetzungsanträge laufen, aber melden tut sich niemand.
Zwar hatten wir persönlich ein recht freizügiges Arbeitsmodell, was uns auch Homeoffice erlaubte, aber die Ortsgebundenheit war stets ein Thema für uns.
💡 Wenn du also spürst, dass du freier leben und arbeiten möchtest, ist dies ein wichtiger Aspekt bei deiner Entscheidung, den du nicht einfach wegwischen, sondern dem du weiter auf den Grund gehen solltest.
Wenn die Gesundheit leidet
⚠️ Psychischer oder körperlicher Druck durch Überlastung, Mobbing oder Frust können krank machen, das ist mittlerweile hinreichend bekannt. Wenn du nur noch „funktionierst“, ist die Sicherheit kein Gewinn mehr, sondern ein goldener Käfig.
Wir haben dies „hautnah“ erlebt: Der Stress und die Überlastung durch Personalmangel machten sich irgendwann körperlich bemerkbar. Nie zuvor hatte Chris so viele Nasennebenhöhlenentzündungen wie damals. Theresa plagte sich mit Lethargie und Antriebslosigkeit, funktionierte im Büro aber einwandfrei. Heute wissen wir: Das waren unüberhörbare Warnsignale.
Drang nach Veränderung – doch es bleibt alles beim Alten
Es gibt Persönlichkeitstypen, die einen starken Antrieb für Veränderungen haben.
➡️ Wenn du in deiner Freizeit häufig sprunghafte Ideen hast und auch gleich damit anfängst, diese in die Tat umzusetzen, an der Arbeit jedoch immer wieder auf die gleichen, starren Strukturen stößt und denkst „Das könnte man so viel effizienter machen.“, dann könnte das bei dir auch der Fall sein.
Träumst du vielleicht davon, etwas Eigenes aufzubauen, eine neue Profession zu lernen oder in eine völlig neue Richtung zu gehen? Das sind keine Launen, sondern Impulse, die ernst genommen werden wollen.
💡 Auch unser umfangreicher Ratgeber und Leitfaden für Beamte mit Ausstiegsgedanken greift diesen inneren Konflikt auf und bietet Übungen an, um selbst zu mehr Klarheit zu kommen.
Sicherheit allein macht auch nicht glücklich
Uns Beamte und Ex-Beamte eint wohl alle ein Wesenszug: Wir haben einen gewissen Wunsch nach Sicherheit.
Kein anderer Berufsstand ist so „unkündbar“ wie das Berufsbeamtentum. Gleichwohl spürt man als Beamter recht schnell, zu welchem Preis man diese Sicherheit wirklich bekommt. Und hält man sich vor Augen, wie laut die Rufe nach Reformen der Beamten-Pensionen sind, dann drängen sich Fragen auf: Wie lange ist diese Sicherheit denn noch gegeben? Und was, wenn ich selbst das Pensionsalter gar nicht erreiche? Will ich wirklich all meine Wünsche auf die sichere Pension verschieben?
💡 Wenn du im Innersten weißt: „Ich möchte so eigentlich nicht weitermachen“, dann ist das Loslassen der Sicherheit ein Akt von Selbstfürsorge, und nicht von Leichtsinn. Gerne informieren wir dich in einem persönlichen Gespräch und unterstützen dich bei Fragen rund um eine mögliche Entlassung aus dem Beamtenverhältnis:
Persönliches
Info-Gespräch
30 Minuten | 69,00 €
als Videocall
keine Versicherungs- oder Rechtsberatung
5 Gründe, wann die Kündigung als Beamter keine gute Idee ist
(Noch) kein Plan B
⚠️ Wenn du noch nicht weißt, was du im Anschluss an deine Kündigung als Beamtin oder Beamter machen möchtest, dann ist es definitiv noch nicht an der Zeit, deinen Antrag auf Entlassung zu stellen.
Denn dies würde deinem Wunsch nach Sicherheit widerstreben und somit eine Wertekrise auslösen.
💡 Daher ist die Findung eines Plan B auch ein großer Teil unseres Ratgebers & Leitfadens. Denn wir wissen genau: Nur mit einem klaren Ziel vor Augen wagt man am Ende den Schritt wirklich.
Finanzielle Verpflichtungen
⚠️ Vor einer Entlassung aus dem Dienst solltest du deine Finanzen genau unter die Lupe nehmen. Wenn etwa ein Hauskredit von deiner Besoldung abgezahlt wird, dann bist du (noch) nicht in der Position, einfach so „das Handtuch zu werfen“. Anders sieht es aus, wenn du finanziell gut aufgestellt bist, deine Finanzen kennst und vielleicht bereits andere Einkommensquellen erschlossen hast. Etwa eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb, eine vermietete Wohnung oder Aktien-Dividenden, die regelmäßige Einnahmen bringen.
Auch wenn du bereits eine gleichwertige Stelle in einem Angestelltenverhältnis in Aussicht hast, ist das ein wichtiger Stützpfeiler deiner Ausstiegs-Planung.
💡 Kredite, Familie, Haus, Versorgung – wenn du auf das Beamtengehalt angewiesen bist, solltest du deine Exit-Strategie mit großer Sorgfalt entwickeln. Auch diese Aspekte behandeln wir ausführlich in unserem großen Ratgeber & Leitfaden.
Die Folgen, die eine Entlassung mit sich bringt, sind noch unklar
⚠️ Krankenkasse? Altersgeld? Rückzahlung von Anwärterbezügen? Viele unterschätzen, was ein Austritt aus dem Beamtenverhältnis wirklich mit sich bringt und an was man alles vorher denken sollte. Hier ist die Devise ganz klar: Erst informieren, dann entscheiden. Nicht umgekehrt.
💡 Alle Folgen, die du vor deinem Antrag auf Entlassung bedenken solltest, wie Krankenversicherung, Altersgeld & Co. findest du in unserem Leitfaden für Beamte.
Übersprungshandlung aus kurzfristiger Emotion
🔥 Wut auf die Personalleitung, Frust über das letzte Mitarbeitergespräch oder wieder einmal bei der Beförderungsrunde übergangen worden?
➡️ Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für überstürzte Entscheidungen. Notiere stattdessen lieber all diese Punkte, die dich in letzter Zeit geärgert haben. So kannst du später rational und ohne negative Emotionen deine Situation noch einmal neu beleuchten.
💡 Dein eigenes „Für und Wider“ ist nichts anderes als eine große Pro- und Kontra-Liste. Das klingt veraltet, hat sich aber auch bei uns in unseren Informationsgesprächen immer wieder bewährt. Besonders, wenn du wirklich irgendwann vor der Entscheidung stehst und die Zweifel dich überkommen, hilft ein Blick auf diese Notizen, um dir vor Augen zu halten, was in letzter Zeit gut und was weniger gut war.
Klare Aufzeichnungen darüber, wie sich deine Lage entwickelt hat, können am Ende den entscheidenden Anhaltspunkt liefern, der dich zu einer Entscheidung führt.
Idealisierung der „Welt da draußen“
➡️ Wenn dir als Beamter oder Beamtin, deine Behördenleitung manchmal auf die Nerven geht und du dir denkst: „Wenn ich selbstständig wäre, wäre ich mein eigener Boss.“, möchten wir dir sagen: Selbstständigkeit oder freie Berufe sind auch kein Spaziergang. Auch dort gibt es Druck und Bürokratie, nur dass du dann auf der anderen Seite des Schreibtisches sitzt.
⚠️ Wer geht, weil er denkt, „da draußen ist alles besser“, wird schnell die harte Realität kennenlernen.
💡 Doch wer sich gut vorbereitet und einen Plan hat, kann aus all dem mit großem persönlichem und beruflichem Wachstum hervorgehen. Auch das haben wir selbst erlebt und erfahren.
Unser Fazit: Wann man als Beamter (nicht) kündigen sollte
➡️ Als Beamter zu kündigen, kann befreiend sein. Oder bitter bereut werden, wenn man es nicht richtig geplant hat. Die Entscheidung ist weitreichend, wenn auch nicht unumkehrbar. Aber: Wenn du weißt, warum du gehst, und wohin du willst, kann es der erste Schritt in ein Leben sein, das wirklich zu dir passt.
💡 Um diese Klarheit für eine Entscheidung zu bekommen, ist es notwendig, dass du dich umfassend mit allen oben genannten Aspekten auseinandersetzt. (Und noch einigen anderen, die hier gerade keinen Platz gefunden haben.)
Und genau dafür haben wir über 5 Jahre hinweg unseren Ratgeber & Leitfaden entwickelt:
eBook: Ratgeber & Leitfaden für Beamtinnen und Beamte, die über eine Entlassung nachdenken
Du stehst vor der Frage „Entlassung beantragen – ja oder nein?“, der Ablauf, die Folgen und einige Details sind noch unklar? Unser Ratgeber & Leitfaden unterstützt dich dabei, das Thema strukturiert anzugehen und typische Fehler zu vermeiden. Enthalten sind u. a.:
Leseprobe: 10 Seiten (kostenfrei)
aktueller Preis: 199 €
Hinweis: Ersetzt keine Rechtsberatung.
✅ Wirf gerne einen Blick in das Inhaltsverzeichnis unseres Ratgebers & Leitfadens rund um den Antrag auf Entlassung und hole dir Inspiration, welche Aspekte für dich aktuell wichtig sind:
Alternativ, wenn du bereits einen Schritt weiter bist und der Antrag auf Entlassung bereits in der Schublade liegt, möchten wir dir unsere neue Checkliste empfehlen. Sie eignet sich für alle, die kurz vor der Einreichung des Entlassungsantrags stehen, und sichergehen möchten, wirklich an alles gedacht zu haben:
Neu:
Die Checkliste zum Antrag auf Entlassung
Der 16-Punkte-Plan zur Vorbereitung auf die Einreichung
des Antrags auf Entlassung
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